Durchfall vorprogrammiert oder Wie Lieferando einen Kunden verlor

Mittwochabend, zwei hausgemachte Gin Basil Smash und ein paar gut&günstig-Oliven von Edeka in fancy Tableware auf dem Tisch.


Ich lächle meinen Gegenüber an und sage: „Oder wir bestellen einfach. Auf was hättest du denn Lust?“ Es folgt die Antwort: „Sushi“ – und ein breites Grinsen.


Natürlich Lieferando


Automatisch wandert mein Finger zur orangefarbenen App auf meinem Handy. Wir entscheiden uns schnell und unkompliziert für ein Sushi-Menü, geben die Bestellung auf und widmen uns wieder unseren Cocktails.


Da der Hunger nicht allzu groß ist, bemerken wir erst relativ spät, dass die angekündigte Lieferzeit von 35 Minuten schon längst verstrichen ist. Dann klingelt das Handy.



„Da ist er!“ schießt es mir durch den Kopf. Haha. Es ruft mich der Koch des Sushi-Restaurants an und proklamiert, dass unser Essen noch immer nicht abgeholt worden ist, er jetzt den Laden aber schließen muss und ich mich doch bitte mit Lieferando in Verbindung setzen soll. Die Adresse unter der der Kurier dann mein Essen abholen kann, schickt mir der Koch per SMS.


Lieferdienst? Do-it-yourself!


Ich lege auf und muss erstmal schmunzeln. Dann beginnt die Odyssee. Natürlich finde ich keine Telefonnummer unter der ich Lieferando erreichen kann. Lediglich die Hotline 030 609 88 548, unter der das Unternehmen „bis 23:00 Uhr, 7 Tage die Woche“ erreichbar ist. Um 21:07 erreiche ich dort niemanden. Selbst als ich mich als potentiellen Geschäftspartner ausgebe („Wenn Sie ein Restaurant sind, drücken Sie die 2“).


„ – oder schreiben Sie uns eine Email an info@lieferando.de“. Na toll. Obwohl das unser Sushi-Dinner nicht rettet (man bemerke die Kombination: Sushi, Sommer, reguläre Antwortzeiten auf Beschwerdemails) schreibe ich trotzdem.


Nach etlichen Telefongesprächen mit dem Besitzer des anderen (!) Restaurants, heißt es:

  • er hat Lieferando selbst erreicht und sie kommen jetzt, dann

  • Lieferando hat sich zurückgemeldet und sie kommen jetzt doch nicht und

  • sie würden meine Bestellung stornieren, da ich nicht mehr auf mein Essen warten würde.


„Komm, ich mach’s schnell selbst“


Der Restaurantbesitzer gibt letztendlich auf mit den Worten „Wissen Sie was, Frau Dederer – ich bringe es Ihnen schnell selber hoch.“


Mein hungriger Partner-in-Crime klatscht in die Hände und ich freue mich auch. Ein bisschen Schiss haben wir dennoch, weil die Situation seltsam ist – und gehen zusammen runter, als es endlich an der Tür klingelt.


Wir nehmen die Lieferung entgegen, tauschen uns kurz über die absurde Situation aus und wünschen einander „alles Gute!“.


Juhu. Gutschein.


Zwei Tage später entschließe ich mich mein Konto bei Lieferando zu schließen und schreibe eine entsprechende Mail. Dann erhalte ich folgende Nachricht von David:




Not.


Darauf antworte ich:



Ich hoffe, sie schließen mein Konto.


Und ich hoffe auch, dass euch solche wilden Erfahrungen mit Lieferando erspart bleiben.


PS: Die Sushi waren schlecht geworden.

Photo by Alistair MacRobert on Unsplash

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